Malina

Filmstill

Produktion

| Koproduktion von

Ku­chen­reu­ther Film­pro­duk­ti­on GmbH

, München,

Neue Stu­dio Film GmbH

, Wien, in Zusammenarbeit mit

ZDF

und

ORF

, 1991

DarstellerInnen

Isa­bel­le Hup­pert

(Die Frau),

Ma­thieu Car­ri­è­re

(Malina),

Can To­gay

(Ivan),

Lib­gart Schwarz

(Frl. Jellinek),

Eli­sa­beth Kre­jcir

(Hauswartin Lina),

Fritz Sche­di­wy

(Vater),

Isol­de Barth

(Mutter),

Da­vid Phil­ipp Ko­tai

(Béla),

Da­vid Sa­lo­mo­no­witz

(András),

Idi Graf Kin­ski

(Graf Altenwyl),

Ger­hild Di­dusch

(Antoinette),

An­dré Mül­ler

(Herr Mühlbauer),

Wieb­ke Frost

(Schwester der Frau),

Da­nie­la Leu­pold-Lö­wen­thal

(Zarin Melanie),

Jen­ny Dri­va­la

(Italienische Sängerin),

Ni­co­lin Kunz

(Junge Frau mit Revolver),

Lo­li­ta Cham­mah

(Kind),

Ste­fan Hol­zer

(Junger Bardos),

Han­no Pöschl

(Briefträger),

Pe­ter Kern

(Der Mann, Bulgare),

Fritz von Friedl

(Ober Franz),

Ger­trud Roll

(Kellnerin),

Bri­git­te An­to­ni­us

(Direktrice bei Braun),

Hay­mon Ma­ria But­tin­ger

(Blinder),

Ma­ri­ka Adam

(Frau des Blinden),

Fritz Fleisch­ha­cker

(Nachtschwärmer),

Sa­bi­ne Schmel­ler

(Hausmädchen bei Altenwyls),

Mi­chae­la Fa­brick

(Sängerin auf Klavier),

Die­go Le­on Pa­tar­ro­yo

(Geiger).

Filmpremiere

  • |

    17.1.1991

    in Österreich und Deutschland (deutsche Filmpremiere im

    El Do­ra­do

    , München)

    Erste TV-Ausstrahlung:

Abdrucke

Erstveröffentlichung:

DVD

DVDs

Blu-ray

Blu-rays

Zu sehen auf

Teil 1:

Schroe­ter, Wer­ner

Malina. http://www.youtube.com/watch?v=8ZvS_A3Jqao (15.7.2014)(= YouTube).

Teil 2:

Schroe­ter, Wer­ner

Malina. http://www.youtube.com/watch?v=SQ5LWHEpoNM (15.7.2014)(= YouTube).

Teil 3:

Schroe­ter, Wer­ner

Malina. http://www.youtube.com/watch?v=AMsXdm1qTaY (15.7.2014)(= YouTube).

Teil 4:

Schroe­ter, Wer­ner

Malina. http://www.youtube.com/watch?v=rFrIyKKl9Nw (15.7.2014)(= YouTube).

Preise

Der Film erhielt folgende Preise: Deutscher Filmpreis 1991: viermal Filmband in Gold für den besten Film,

Wer­ner Schroe­ter

,

Isa­bel­le Hup­pert

und

Ju­lia­ne Lo­renz

(Montage); Deutscher Kamerapreis 1992 für die beste Kamera (

El­fi Mi­kesch

); Bayerischer Filmpreis 1991 für die beste Produktion (

Stef­fen

und

Tho­mas Ku­chen­reu­ther

).

 

Jelineks Drehbuch basiert auf

In­ge­borg Bach­manns

Roman Malina (1972). Der Film wurde in französischer und deutscher Sprache gedreht, die französische Dialogbearbeitung stammt von

Pa­tri­cia Mo­raz

, die Synchronisation wurde von der Berliner Synchron GmbH vorgenommen. Jelineks Drehbuchtext wurde 1991 als Filmbuch veröffentlicht.

Das Drehbuch ist in 123 Szenen gegliedert. Jelinek verarbeitete in ihrem Text zahlreiche Zitate aus der Romanvorlage. Wie in

Bach­manns

Roman ist das Fortbestehen faschistischer Machtstrukturen (

Ge­walt

) in den Beziehungen zwischen den Geschlechtern auch ein zentrales Motiv des Films. Bei Jelinek werden die Machtverhältnisse zwischen

Mann

und

Frau

in der Sprache kenntlich gemacht. Betont wird im Drehbuch auch die Auseinandersetzung mit weiblicher und männlicher

Se­xua­li­tät

sowie der Umgang mit den Verbrechen des

Na­tio­nal­so­zia­lis­mus

in

Ös­ter­reich

. Besonders hervorgehoben wird die Dreiecksbeziehung zwischen der Frau, Malina und Ivan. Einige Szenen, die nicht im Roman vorkommen, verfasste Jelinek auf

Schroe­ters

Wunsch. Bei einem Vergleich des Drehbuchtexts mit dem Film werden viele Eingriffe des Regisseurs in den Text evident.

Der Film ist ab 16 Jahren freigegeben, das Prädikat der Filmbewertung ist „besonders wertvoll/sehenswert“. In mehreren Rezensionen und wissenschaftlichen Beiträgen wurde

Schroe­ters

filmische Adaption kritisiert. Kritikpunkte bezogen sich auf die Art der Charakterisierung und Psychologisierung der Frau und das damit verbundene Frauenbild, Vereindeutigungen von Sequenzen, die im Roman in der Schwebe gehalten werden, Reduktionen bei der Auseinandersetzung mit dem Geschlechterkampf sowie Anspielungen auf

Bach­manns

Biographie (z.B. durch das im Film präsente Feuer). Trotz der Änderungen, die

Schroe­ter

an ihrem Drehbuchtext vornahm, verteidigte Jelinek die filmische Umsetzung des Drehbuchs in Interviews.

 

121. Szene Wohnung Malinas und der FrauInnen/Tag
Küche. Die Frau macht den Kaffee. Sie neigt sich so tief über die Gasflamme, daß ihr Haar fast Feuer fängt.
DIE FRAUleise in die Flamme: Mein Königreich! Mein Land, das ich gehalten habe mit meinen sterblichen Händen... mein herrliches Land... jetzt nicht mehr größer als eine Gasflamme!... Nicht verbrennen! Ich darf nicht verbrennen!
Knapp bevor sie wirklich die Haare in die Flamme hält, reißt sie den Gasschalter noch auf Null zurück. Schwer atmend richtet sie sich auf, ordnet Tassen und Kanne auf dem Tablett. Ein letzter Versuch, den Alltag zu retten.
122. Szene Wohnung Malinas und der FrauInnen/Tag
Malina und die Frau sitzen einander gegenüber und trinken Kaffee. Malina betont uninteressiert. Die Frau mustert ihn scharf, jede seiner Bewegungen.
DIE FRAU Malina...
MALINA Ja?
DIE FRAU Malina... Wenn du mich jetzt nicht aufhältst, ist es Mord!
MALINA Mord?
DIE FRAU Ja. Aber du wirst es nicht gewesen sein!
Sie stellt ihre Tasse ab. Sie geht zur Wand, schaut einen Augenblick auf das Leukoplast, das sie über den Riß geklebt hat, nimmt dann ein Ende des Klebestreifens und reißt entschlossen daran. Ein Ruck geht durch die Wand, als sie den Klebestreifen abreißt, wie ein Blitz, der einschlägt. Es wird einen Moment hell wie von einem gezackten Blitzschlag – Riß am Himmel. Dann ist die Frau verschwunden.
aus: Isabelle Huppert in Malina. Ein Filmbuch von Elfriede Jelinek. Nach dem Roman von Ingeborg Bachmann. Mit Mathieu Carrière als Malina in einem Film von Werner Schroeter . Frankfurt am Main: Suhrkamp 1991, S. 148-149.

Mehr unter Drehbücher und Texte für Filme

Drehbücher und Texte für Filme
Drehbücher und Texte für Filme