Die Schutzbefohlenen

Hörspielfassung

Hörspielfassung von Jelineks Theatertext

Die Schutz­be­foh­le­nen (2013)

Produktion

Leitungsteam

Erstsendung

  • 8.2.2014

 

Die Hörspielbearbeitung wurde als Koproduktion des Bayerischen Rundfunks mit dem ORF realisiert. Im Gegensatz zum Theatertext Die Schutzbefohlenen , der keine konkreten SprecherInnen ausweist, ist Der Text des Hörspiels auf fünf ChoristInnen aufgeteilt, die teilweise einzeln, teilweise gemeinsam sprechen. Der Text ist in 16 mit römischen Ziffern markierte Abschnitte und acht Litaneien gegliedert. Bei der klanglichen Realisierung wird mit unterschiedlichen Geräuschen (dem Rauschen von Wasser, fliegenden Hubschraubern) und Musiksequenzen, die parallel zu den gesprochenen Passagen im Hintergrund zu hören sind, gearbeitet.

Wie schon im Theatertext stehen die Themen

Frem­den­feind­lich­keit

,

Flucht

sowie politische Versäumnisse (

Po­li­tik

) in Hinblick auf den Umgang mit Geflüchteten im Zentrum.

 

CHORIST 2: Wir haben uns auf den Kirchenboden gelegt, denn Gott ist für alle da, diese Grenze hat der Gesetzgeber definiert, Ihr Gott endet dort, wo unsrer anfängt.

CHORISTIN 5: – das ist so ähnlich wie mit der Freiheit, da darf niemand eingreifen und auch der Staat nur, wenn er ein Bedürfnis hat, in unsere Freiräume einzugreifen, oje, jetzt hat er grad das Bedürfnis, er will uns wegräumen, und der Staat öffnet den Eingriff und schlägt über uns sein Wasser ab, noch mehr Wasser, vielen Dank, das haben wir noch gebraucht!, er hat halt das Bedürfnis, grade jetzt hat er es sehr, ganz besonders, und wenn er es hat, dann muß er, er muß, er respektiert das Zusammenleben, aber er bestimmt, mit wem, er sagt, wer zusammenleben darf und wer nicht, und dann respektiert er das, aber nur bis zu einer bestimmten Grenze, dann muß er es nicht mehr respektieren, er als einziger muß das nicht.

CHORISTIN 3: Zum Beispiel beim Schwimmen. Nein, das ist mir jetzt zu blöd. Was ist beim Schwimmen? Ein Kopf-an-Kopf-Rennen? Damit wir uns danach gegenseitig unsere Wertschätzung aussprechen können? Wieso müssen wir dazu erst ins Wasser gehn, glitschig vom ausgeronnenen Diesel, untergehn, aus fremden Fingern rutschen wie Fische, um uns zu schätzen? Wir können doch gleich ertrinken, im Boot noch erschlagen werden, über Bord geworfen, krank werden, einfach so sterben, eine Totgeburt haben, und das Tote fliegt raus, über Bord, ja, sowas passiert schon auch mal, von der Bahnsteigkante gestoßen, uns die Kante geben, nein, das nicht, falsche Region, falsche Religion, wir können ebenso allgemein oder besonders verprügelt werden, wieso müssen wir dazu ins Wasser? Bitte, manche von uns kommen aus dem Wasser, wo sie zufällig nicht verhungert, verdurstet oder ertrunken sind, aber sie wollen nicht wieder rein.

aus: Leonhard Koppelmann: Die Schutzbefohlenen. Hörspieltyposkript, Bayerischer Rundfunk 2014.

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