Kein Licht.

Uraufführung am Schauspiel Köln, 2011. Foto: Schauspiel Köln / Klaus Lefebvre

Abdrucke

Erstdruck:

Weitere Veröffentlichung:

Teilabdruck:

Epilog?

Kein Licht: Prolog? Da kann man ja jede Menge anbauen! Also ich meine nicht: in der Erde.

Epilog?

Weitere Inszenierung:

Kein Licht: Prolog? Da kann man ja jede Menge anbauen! Also ich meine nicht: in der Erde.

Weitere Inszenierungen:

Zusatztexte:Epilog? In: manuskripte 196 (2012), S. 4-15.

auch in:Jelinek, Elfriede: Hikari no nai. Tokyo: Hakusuisha 2012, S. 63-92. (auf Japanisch, Ü: Tatsuki Hayashi, Titel: Epilog? Hikari no nai II) DN

Übersetzte Werke

http://www.elfriedejelinek.com/ffukushima.html (15.7.2014), datiert mit 12.3.2012 (= Elfriede Jelineks Website, Rubriken: Archiv 2012, Theatertexte).

Kein Licht: Prolog? Da kann man ja jede Menge anbauen! Also ich meine nicht: in der Erde. In: Berliner Festspiele (Hg.): Stückemarkt Fünfunddreissig. Die Stücke. Berlin 2013, S. 140-146.

auch online:http://www.elfriedejelinek.com/fkeinlicht-prolog.html (6.10.2015), datiert mit 7.9.2012 / 1.9.2015 (= Elfriede Jelineks Website, Rubriken: Aktuelles 2015).

 

Jelinek schrieb

Kein Licht.

für das Schauspiel Köln. Der Theatertext wurde in Kombination mit Demokratie in Abendstunden am Eröffnungsabend der Spielzeit 2011/12 uraufgeführt. Jelinek griff das Vorhaben der Regisseurin Karin Beier, für die Inszenierung von Demokratie in Abendstunden Orchestermusiker als Textträger einzusetzen, in ihrem Text auf.

Kein Licht.

befasst sich im Kontext der Atomkatastrophe (

Ka­ta­stro­phe

) von Fukushima (März 2011) mit dem Spannungsfeld von

Na­tur

und

Tech­nik

. Der Text ist auf zwei Sprechinstanzen aufgeteilt, die als A und B ausgewiesen werden und sich als erste und zweite Geige (

Mu­sik

) bezeichnen. Die Leerzeilen zwischen den Repliken sind die einzige Gliederung des Textes. Die einzige Regieanweisung (in der zweiten Hälfte des Textes) gibt an, dass eine längere Passage von beiden Stimmen gemeinsam geschrien oder auf die einzelnen Stimmen aufgeteilt werden soll: „Sie können sich auch überschneiden, so daß man passagenweise nichts mehr versteht.

Über ihre Quellen hat Jelinek dem Text Folgendes nachgestellt:

„u. a. Sophokles: Die Satyrn als Spürhunde

René Girard: Die verkannte Stimme des Realen“

Jelinek veröffentlichte am 12.3.2012, ein Jahr nach der Atomkatastrophe, auf ihrer Website einen Zusatztext mit dem Titel

Epi­log?

. Dem Text ist folgende Anweisung vorangestellt: „Eine Trauernde. Sie kann machen, was sie will:“.

Über ihre Quellen hat Jelinek diesem Text Folgendes nachgestellt:

„Viele, viele Berichte studiert.

Sophokles: ‚Antigone‘ auch.“

Der Text wurde als zweiter Teil dem Stück angefügt und unter dem Titel Kein Licht. II in Form von Interventionen im öffentlichen Raum in Tokyo uraufgeführt. Der Beginn der aus zwölf Stationen bestehenden Installation war im New Shimbashi Building – gegenüber dem Hauptgebäude von TEPCO. Jelineks Text, gelesen von japanischen SchülerInnen, wurde über mobile Radioempfänger bei jeder Station eingespielt. Für die im Rahmen der Wiener Festwochen veranstaltete Reihe unruhe der form konzipierte der Regisseur Akira Takayama eine Neuadaption seiner Installation mit acht Stationen, beginnend bei der Wiener Secession.

Pro­log?

, ein weiterer Zusatztext zu

Kein Licht.

, wurde von Jelinek für eine geplante Inszenierung des Regisseurs Dimiter Gotscheff am Thalia Theater Hamburg verfasst. Die für Februar 2013 geplante Aufführung (gemeinsam mit

Kein Licht.

und Thornton Wilders Stück Wir sind noch einmal davongekommen ) wurde jedoch abgesagt. Uraufgeführt wurde der Text im Rahmen des Berliner Stückemarkts am 10.5.2013 als szenische Lesung in der Pan Am Lounge Berlin.

Im Rahmen der Produktion Prolog – Zwentendorf / Unruhe der Form der Wiener Festwochen wurde

Pro­log?

am 6.6.2013 während der Busfahrt zu dem nie in Betrieb genommenen österreichischen Atomkraftwerk Zwentendorf eingespielt, gelesen von Barbara Nüsse.

 

 

B: Es wäre unverantwortlich, nach uns zu suchen, und noch unverantwortlicher, unsere strahlenden Körper an Land zu bringen. Wir sind nur zwei in dieser Zone, wo man noch mindestens 1000 andere vermutet. Zwei Spieler von vielen, von unsichtbaren Händen bewegt, Spieler, die eigentlich Gespielte sind und noch dazu unhörbar. [...]

A: Ja, wir werden Kinder und gleichzeitig Eltern des Lichts sein. Strahlende Matschbirnen. Gut. Das Kind ein Dieb? Nie wieder. Wir werden Kinder und Mütter zugleich sein. Wir werden Licht geben und Licht verwerten gleichzeitig. Wir sind die Kinder, die drinnen eingeschlossen sind und etwas durch den leuchtenden Türspalt hindurch reichen und dabei merken: Von uns kommt das Leuchten!, die draußen werden das schon noch merken.

B: Wir sind das Licht. Treibt uns doch heraus, wenn ihr könnt! Tief drin. Licht? Wir! Hallo! Hallo! Was waren wir und sagten?

A: Also wir helfen denen, die etwas geben, und wir geben es selbst. Die Milch des Morgenlichts. Das Irgendwasgetränk des Abendlichts: überall willkommen! Und wir sind es selbst, das Licht, wir machen es und sind es! Und wir helfen den Kühen mit der Milch und mit dem Licht, wir leuchten ihnen in den Stall, wir sind der strahlende Riß, wir sind der Spalt in der Tür, wir haben etwas gespalten, und jetzt leuchten wir durch diese Spalte, ja, ich erfülle... Ich erfülle... was?

B: Ich begleite, egal wen. Ich begleite den, der erfüllt ist, und ich erfülle selbst, ich erfülle meinen Part des Begleiters, ich begleite das Licht nach draußen. Den Lohn? Dann sollten wir in der Zukunft freie Leute sein, oder?

A: Einschrumpfen. Gekrümmt werden. Was?

B: Ein Urteil bitte. Ihr Urteil bitte!

aus: Elfriede Jelinek:

Kein Licht.

In: Theater heute 11/2011 (Beilage), S. 14-15.

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