Die Kinder der Toten
Roman
Cover des Erstdrucks, 1995
Cover des Erstdrucks, 1995
Jelinek, Elfriede
:
Die Kinder der Toten.
Reinbek
:
Rowohlt
1995
.
Auflage 16.100.
Jelinek, Elfriede
:
Die Kinder der Toten.
Reinbek
:
Rowohlt
1997
(= rororo 22161)
.
Auflage 37.600.
Jelinek, Elfriede
:
Die Kinder der Toten.
Lizenzausgabe der
Buchgemeinschaft Donauland Kremayr & Scheriau
, Wien, und der angeschlossenen Buchgemeinschaften,
1995
.
Jelinek, Elfriede
:
Die Kinder der Toten.
Lizenzausgabe der
Buchgemeinschaft Donauland Kremayr & Scheriau
, Wien, und der angeschlossenen Buchgemeinschaften,
2006
.
Jelinek, Elfriede
:
Die Frau ist die Todesstrafe des Mannes.
In: Literaturmagazin 32 (
1993
), S. 177-183
(Vorabdruck)
.
Jelinek, Elfriede
:
aus Die Kinder der Toten.
In: manuskripte 122 (
1993
), S. 68-72
(Vorabdruck)
.
Jelinek, Elfriede
:
Aus: „Die Kinder der Toten“.
In: Das Argument 206 (
1994
), S. 505-512
(Vorabdruck)
.
Jelinek, Elfriede
:
Die Kinder der Toten.
In: neue deutsche literatur 493 (
1994
), S. 83-89
(Vorabdruck)
.
Jelinek, Elfriede
:
Die Kinder der Toten. Ein Kapitel einer neuen Prosaarbeit.
In: protokolle 1/
1994
, S. 103-112
(Vorabdruck)
.
Jelinek, Elfriede
:
Jelineks Zombie-Reich.
In: News,
17.11.1994
(Vorabdruck)
.
Jelinek, Elfriede
:
Der Unfall.
In: neue deutsche literatur 2/
1995
, S. 105-109
(Vorabdruck)
.
Jelinek, Elfriede
:
Mörder-Land. Das Buch, über das Österreich diskutieren wird.
In: News,
27.7.1995
(Vorabdruck)
.
Jelinek, Elfriede
:
„Manche stürzen leider auch ab dabei“.
In: Tages-Anzeiger,
3.8.1995
(Vorabdruck)
.
Jelinek, Elfriede
:
Gebirgslandschaft mit Unglücksfall.
In: Süddeutsche Zeitung,
12./13.8.1995
.
Jelinek, Elfriede
:
Wenn man mit dem 71er fährt. Aus „Die Kinder der Toten“.
https://original.elfriedejelinek.com/ftote17.html (9.9.2025), datiert mit
1995
(= Elfriede Jelineks Website, Rubrik: Prosa).
Jelinek, Elfriede
:
Aus „Die Kinder der Toten“ (Mariazeller Kapitel).
https://original.elfriedejelinek.com/fmariaze.html (9.9.2025), datiert mit
1995
(= Elfriede Jelineks Website, Rubrik: Prosa).
Jelinek, Elfriede
:
Das Land braucht oben viel Platz.
In:
Neumann, Petra
(Hg.):
Österreichische Erzähler der Gegenwart.
München
:
Heyne
1998
, S. 325-332
.
Jelinek, Elfriede
:
Gudrun B. aus Graz.
In:
Emmerich, Wolfgang
(Hg.):
„Bewundert viel und viel gescholten...“. Der Bremer Literaturpreis 1954-1998.
Bremerhaven
:
Wirtschaftsverlag NW Verlag für Neue Wissenschaft GmbH
1999
(= edition die horen 23), S. 485
.
Jelinek, Elfriede
:
Die Kinder der Toten (Ausschnitt).
In:
Thuswaldner, Anton
(Hg.):
Ein österreichisches Lesebuch.
München
:
Piper
2000
, S. 160-165
.
Jelinek, Elfriede
:
Die Kinder der Toten. In:
Böhler Bleche GmbH
(Hg.): Mürzzuschlag 2004.
Mürzzuschlag
:
Böhler Bleche
2003
(Kalender; Teilabdruck sowie Jelinek-Foto auf dem Kalenderblatt Mai)
.
Jelinek, Elfriede
:
Kalkhochalpen und Butterstanniol.
In: Der Standard,
8.10.2004
.
Jelinek, Elfriede
:
Die Kinder der Toten.
In: News (Lese-Extra),
14.10.2004
.
Jelinek, Elfriede
:
Die Kinder der Toten.
In:
Engler, Jürgen
(Hg.):
Apokalypse. Schreckensbilder in der deutschen Literatur seit Jean Paul.
Berlin
:
Hamburg
:
Schwartzkopff Buchwerke
2005
, S. 275-277
.
Jelinek, Elfriede
:
[Es rinnt dort im Eck…].
In:
Kastberger, Klaus
(Hg.):
Wassersprachen: Flüssigtexte aus Österreich.
Linz
:
Land Oberösterreich, StifterHaus – Zentrum für Literatur und Sprache
2006
, S. 332-335
.
Jelinek, Elfriede
:
Die Kinder der Toten.
In:
Laher, Ludwig
(Hg.):
Europa erlesen. Linz.
Klagenfurt
:
Wieser Verlag
2008
, S. 212-213
.
Jelinek, Elfriede
:
aus: Die Kinder der Toten.
In: JELINEK[JAHR]BUCH. Elfriede Jelinek-Forschungszentrum
2012
, S. 129-132
.
Jelinek, Elfriede
:
Die Kinder der Toten.
In:
Janke, Pia
(Hg.):
Die Nestbeschmutzerin. Jelinek & Österreich.
Salzburg
:
Jung und Jung
2002
, S. 68-69
.
Jelineks Essay
o. T. (über eine falsche Zitierung durch Jörg Haider) (1995)
Jelineks Essay
Shisha-Hakkutunin de aru Watashi (2010)
Christoph Taggatz’
Komposition
Karin Frenzel oder Wo andere ihren freien Willen eingebaut haben (1997)
Jelineks Fotos für die Ausstellung
„... und deshalb bitten wir Sie, liebe Elfriede, mit der beigelegten Einwegkamera...“ (2004)
Kelly Coppers
und
Pavol Liškas
Performance
Die Kinder der Toten – Der Große Dreh (2017)
Kelly Coppers
und
Pavol Liškas
filmische Adaption
Die Kinder der Toten (2019)
Dem wird ein Strich durch die Endabrechnung gemacht, denn die Scheuesten der Scheuen, die Geister der Toten, die auf keinem Gesetz beruhen, auch auf keinem erfundenen, kommen bereits hinter diesem jungen Sportler her. Sie haben sich aus großen Massen zu einem schmalen indignierten Mundschlitz zusammengezogen und hetzen Edgar in den nach Leichenkäse riechenden Fahrtwind, der eigentlich, gemäß einem ungeschriebenen Naturgesetz, brav hinter ihm bleiben sollte. Nicht zieht die neue Zeit mit ihm, die sogar Hundertstelsekunden noch mißt, sondern es zieht die alte an ihm. Die stinkt ein bisserl, ist aber noch gut. Die Nacht berauscht sich an diesem jungen lebendigen Körper, dem sie bald die Haut abziehen wird, um neues Fleisch in die Würstchenhülle hineinzustopfen. Oder sie legt ihn in die Truhe des Bodens, damit auch die Künftigen noch etwas von ihm haben und nach seinem Schädel suchen können. Dort unten drängen sie sich nämlich, die Beseligten und die Bedudelten, die von nichts etwas gewußt und außerdem ihr Fälligkeitsdatum um mindestens 50 Jahre gefälscht haben. Inzwischen sind sie fast alle auf dem Weg ins Nichts, in den Humus, Tiere nagen an ihnen und vermehren sich in ihrem Fleisch, plantschen in ihrem Saft herum. So rein ist nur unsere Unschuld, die sich, in grünem Veltliner paddelnd, jahrzehntelang frisch halten konnte, bis zum berüchtigten Glykol-Zwischenfall. Da ist ihnen ein wenig Autonahrung hineingeraten. Um jedes Mahn-Mal müssen wir würfeln, um neu anfangen zu dürfen (den engl. Fallschirmspringer in Frein bei Mürzsteg, im Zwickel der Mur/Mürzfurche, hier, gleich um die Ecke haben sie ihn gebracht, sie haben ihn mit ihren Hirschfängern und klitzekleinen Eßbesteckmessern, die ansonsten friedlich schliefen im eisernen Geruch der Schubladenlehre – die haben sie an ihren Lederhosen gewetzt und in diesen gefangenen, in seinen Reiß-Seilen bereits eßfertig verpackten Wal-Rollmops, wie soll ich sagen, in ihn hineingestochen haben sie halt ihre Feitel. Und so haben die Leut ihren „Springer“, ihren lieben Toten, wie sie ihn heute nennen, während lustige Fältchen in ihren Augenwinkeln erscheinen, die Zipfelmütze des Schifahrers, der noch dreist den Vorkriegs-Stemmbogen fährt, und dazu den Gamsbarthut des bäuerlichen Bestemmers verwegen schräg auf die Zwergenköpfe gestülpt, so sind sie also damals einen heben gegangen und haben „den Springer“ durch die schweren Vorhänge-Schlösser hindurch, mit denen sie das Ihrige zu behütten pflegen, damit ihnen keiner durchs Dach fällt und dabei ein Loch macht, ins Nichts hineinschliaffen lassen.
aus: Elfriede Jelinek: Die Kinder der Toten. Reinbek: Rowohlt 1995, S. 292-294.
Der ursprünglich geplante Titel des Romans war Die Kinder der Untoten. Die Seitenzahl beträgt bewusst 666 Seiten, was der Zahl des Tieres bzw. des Antichristen entspricht; die letzte Seite ist daher unpaginiert. Neue Kapitel werden durch neue Seiten und durch fettgedruckte erste Wörter dieser Seiten ausgewiesen.
Über ihre Quellen hat Jelinek dem Text Folgendes vorangestellt:
„Stellvertretend für jene Personen, die mir wertvolle Anregungen gegeben haben, danke ich insbesondere dem Satanismusforscher
Josef Dvorak
. (E. J.)“. Als Motto ist dem Roman auf S. 5 ein Spruch auf Hebräisch auf drei gefalteten Schriftbändern vorangestellt, die von
Eran Schaerf
gestaltet wurden. Es handelt sich dabei nicht – wie lange in der Rezeption behauptet wurde – um einen Satz aus der Thora oder Kabbala, sondern er stammt von Jelinek. Auf dem hinteren Umschlag der Hardcover-Ausgabe des Rowohlt Verlags findet sich die deutsche Übersetzung: „Die Geister der Toten, die solang verschwunden waren, sollen kommen und ihre Kinder begrüßen.“
Der Text wird durch einen Prolog, der auf die „großen Toten“ Österreichs Bezug nimmt und die Folgen einer Kollision zweier Kleinbusse beschreibt, eingeleitet und durch einen Epilog abgeschlossen, der über eine Mure berichtet, die den Ort Tyrol unter sich begräbt. Die untoten HauptprotagonistInnen (
Untote
) sind Karin Frenzel, die mit ihrer
Mutter
in der in den steirischen Bergen gelegenen Pension Alpenrose Urlaub macht und beim Unfall der Kleinbusse verunglückt, die Philosophie-Studentin Gudrun Bichler, die Selbstmord begangen hat, und der Skiläufer Edgar Gstranz. Darüber hinaus gibt es weitere Untote, die meist unbemerkt von den lebenden Menschen existieren, aber andere Untote wahrnehmen und auch sexuell (
Sexualität
) miteinander verkehren.
In ihrem von ihr selbst so bezeichneten „Opus magnum“ thematisiert Jelinek u.a. die mangelnde Auseinandersetzung mit dem
Nationalsozialismus
und dem Holocaust (
Judenvernichtung
) in
Österreich
und deren Folgen
Antisemitismus
und
Fremdenfeindlichkeit
. Darüber hinaus gibt es zahlreiche Exkurse zu historischen und aktuellen Ereignissen aus den Bereichen
Politik
, Religion (
Katholizismus
) und
Sport
. Die
Ausbeutung
der
Natur
durch den
Tourismus
und die kritische Auseinandersetzung mit
Heimat
bilden weitere Themenkomplexe.
Es gibt zahlreiche Bezüge zu anderen Werken Jelineks. So führt u.a. die Beziehung von Karin Frenzel und ihrer
Mutter
die Mutter-Tochter-Beziehung im Roman
Die Klavierspielerin (1983)
fort.
2007 wurde vom Studiengang Internationales Tourismus-Management im Saarkohlewald bei Saarbrücken in einem ehemaligen Bergbau-Gebiet ein Naherholungsraum mit einem 45 km langen Haldenrundweg geschaffen. Für den Haldenweg Grühlingshöhe wurde ein „Literarischer Aufstieg“ mit steinernen Schwellen angelegt, auf denen kurze Auszüge aus Die Kinder der Toten zu lesen sind.
Beim
steirischen herbst
2017 gab es einen größeren
Schwerpunkt
Symposien
zum Roman, in dessen Rahmen auch eine 144-stündige Lesung ( Tosende Stille. Eine 144-stündige öffentliche Lesung des Jelinek-Romans „Die Kinder der Toten“ ) mit BesucherInnen stattfand.