Todesraten

Hörstück nach zwei Monologen von Elfriede Jelinek

Hörspielfassung

Erweiterte Fassung von

Ol­ga Neu­wirths

El­fi und An­di (1997)

Bearbeitung und Komposition:

Ol­ga Neu­wirth

Produktion

Leitungsteam

SprecherInnen

MusikerInnen

Erstsendung

  • 27.6.1997

  • 22.6.1998

  • 9.-10.8.2004

Dauer: 57 min 59 sec

CD

Digital überarbeitete Neuausgabe:

Download eines Ausschnitts des Hörspiels

Neu­wirth, Ol­ga

Hörstück nach zwei Monologen von Elfriede Jelinek. http://www.mediathek.at/akustische-galerien/galerie/musik_1/musik/Olga_Neuwirth.htm&zone_doc_id=0 (15.7.2014)(= Website der Österreichischen Mediathek).

Würdigung

Das Hörspiel wurde im Juni 1997 von der Akademie der Darstellenden Künste, Frankfurt am Main zum Hörspiel des Monats gewählt.

 

To­des­ra­ten

ist die erweiterte Fassung von

Neu­wirths

Komposition

El­fi und An­di

, wobei die Textgrundlage auch hier die zwei Monologe von Andi und der Frau bilden, in denen Jelinek auf zwei reale Fälle anspielt: den Kriminalfall der „Schwarzen Witwe“

El­frie­de Blau­en­stei­ner

, die mehrere pflegebedürftige ältere Menschen mittels Gift ermordete, um an ihr Vermögen zu gelangen, sowie auf den Fall des Bodybuilders

An­dre­as Mün­zer

, der aufgrund massivem Dopings an multifunktionalem Organversagen starb. Diese beiden Monologe wurden dann auch Teil von Jelineks Theatertext

Ein Sport­stück (1998)

.

Im Hörspiel wechseln sich die Monologpassagen Andis und der alten Frau ab oder werden an bestimmten Stellen gleichzeitig gesprochen. Im Mittelpunkt steht die Auseinandersetzung mit dem Spannungsfeld von

Kör­per

,

Sport

und

Tod

. Mit dem Titel Todesraten wird auf

In­ge­borg Bach­manns

Sprachspiel „Todesarten – Todesraten“ in ihrem Roman Malina Bezug genommen.

 

Frau Jetzt werde ich ein bisserl meinen Fuß prüfen, weil mit einem Holzfuß nimmt mich keiner mehr. Dabei bin ich diejenige, die nimmt! Die Siegerin nimmt alles! Ich bin die Erwünschte, doch anstatt freudig als Paket anzukommen, öffne ich mich selbst und verschlinge meinen Empfänger. Ich bin unersättlich wie Wasser, das seinen Fahrgast, diesen ewigen Schwarzfahrer, umschließt.

Ich lasse mich nur ganz wenig in die Wanne. Nicht zu warm und nicht zuviel.

Andi Der Arnie, der hüllt sich in seinen Körper, als ob der Körper schon er selber wäre, und er schreibt auch noch was drauf! Er schreibt Filmstar drauf. Und er schreibt mir, wieviele Sätze, Sekunden, Minuten er mir vorausgeeilt ist. Er ist Jesus! Mein Gott, er ist ja mein Gott!

Frau Heute ist vom unvollkommenen Körper zu sagen, daß jeder selber schuld ist, wenn er ihn hat. Schnell wegschmeißen! Oder mich anrufen, falls Barmittel oder Realitätenbesitz vorhanden. Ja, bitte rufen Sie mich noch während der Absendung an! Ich schicke jeden von Ihnen weg! Rufen Sie mich nur an! Die Schwachen, Unvollkommenen können froh sein, daß sie jemanden wie mich haben, vorausgesetzt, es zahlt sich aus! Natürlich für mich. Ich schaue meinen Burli an und weiß: wui! der ist tot. Da kann man nichts machen

aus: Elfriede Jelinek, Olga Neuwirth: Todesraten . In: booklet zur CD Neuwirth, Olga: Todesraten. Hörstück nach zwei Monologen von Elfriede Jelinek. Wien: col legno 1999 (= audio music book).

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